Sabotage an Umspannwerken in NRW und Brandenburg: Polizei fahndet bundesweit nach Verdächtigem
Nach Sabotageversuchen an mehreren Umspannwerken in NRW und Brandenburg fahndet die Polizei bundesweit nach einem Mann. Ein Bekennerschreiben liegt vor.
Großeinsatz nach Sabotageserie an Energieanlagen in NRW
Die Polizei fahndet bundesweit nach einem Tatverdächtigen, der laut einem Bekennerschreiben hinter einer Serie von Sabotageakten an Umspannwerken in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg stehen soll. Wie WELT berichtet, bestätigte ein Polizeisprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Uns liegt ein Bekennerschreiben vor, und wir gehen den Hinweisen nach."
Das Schreiben war per Post bei der Zeitung „taz" eingegangen. Nach Angaben des Blatts stellt sich der Absender als Einzeltäter dar, der als Motiv „unermessliches Leid" durch die Nutzung fossiler Brennstoffe nennt und die von ihm verwendeten selbstgebauten Raketen im Detail beschreibt. Mehrere Medien berichteten, der Kampf gegen fossile Energieträger werde in dem Schreiben als Tatmotiv genannt. Die Polizei äußerte sich dazu nicht.
Verdächtiger aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis
Nach Informationen von „Bild" soll es sich bei dem Gesuchten um einen Mann namens Daniel V. aus Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis handeln. Ob er tatsächlich als Tatverdächtiger gilt oder lediglich als Trittbrettfahrer in Erscheinung getreten ist, werde noch geprüft, betonte ein Polizeisprecher. Die Ermittler nehmen die Hinweise aus dem Schreiben gleichwohl sehr ernst.
Großeinsatz in Weisweiler bei Aachen
Seit Freitagmorgen läuft ein umfangreicher Polizeieinsatz in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen. Weil der Ort in dem Bekennerschreiben explizit als weiteres Angriffsziel erwähnt wird, rückte die Polizei zu dem dortigen Umspannwerk aus. Kräfte wurden in der Umgebung des Kraftwerks und eines Umspannwerks in der benachbarten Stadt Eschweiler zusammengezogen.
Mitarbeiter der Spurensicherung waren in Schutzanzügen und mit Atemschutzgeräten im Einsatz. Sie konzentrierten sich auf mehrere Stellen auf einem Feld sowie in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks. Beamte dokumentierten die Bereiche fotografisch, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Ob verdächtige Gegenstände gefunden wurden, blieb zunächst unklar.
Abschussvorrichtungen in Dormagen entdeckt
Am Donnerstagabend hatte ein Spaziergänger an einem Umspannwerk in Dormagen — zwischen Düsseldorf und Köln — mutmaßliche Abschussvorrichtungen entdeckt und die Behörden alarmiert. Die Polizei bewertet den Fund als versuchten Sabotageakt auf die Energieversorgung. Schäden an der kritischen Infrastruktur seien in Dormagen jedoch nicht entstanden.
Die gefundenen Konstruktionen ähneln nach Angaben der Polizei stark jenen Vorrichtungen, mit denen Unbekannte zuvor in Bergheim westlich von Köln Kabel über Oberleitungen geschossen und dabei mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt hatten. Laut „Bild" waren an den Abschussvorrichtungen Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt.
Weitere Vorfälle in Brandenburg und Niedersachsen
Die Vorfälle reihen sich in eine Serie ähnlicher Angriffe ein. In Jänschwalde in Brandenburg wurden Stromleitungen attackiert. In Ganderkesee bei Oldenburg untersuchten Einsatzkräfte ebenfalls ein Umspannwerk — dort gab es jedoch Entwarnung: In der Nacht war lediglich ein offener Schaltschrank festgestellt worden. Beschädigungen oder Personen auf dem Gelände wurden nicht gefunden.
Die „taz" wies nach eigenen Angaben ausdrücklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Verfasser des Bekennerschreibens auch der tatsächliche Täter sei. Die Tat in Bergheim werde in dem Schreiben zudem nicht erwähnt. Die Ermittlungen in Dormagen stehen laut Polizei noch ganz am Anfang.
Source: WELT