Sabotage-Versuch am Umspannwerk in Dormagen: Polizei findet Raketenvorrichtungen

In Dormagen (NRW) wurden verdächtige Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Raketen nahe einem Umspannwerk entdeckt. Die Polizei geht von einem gezielten Sabotageversuch aus.

Raketenvorrichtungen in Feld nahe Umspannwerk gefunden

Ein Spaziergänger entdeckte am Donnerstag gegen 18.15 Uhr verdächtige Gegenstände auf einem Feld im Dormagener Stadtteil Gohr – unweit eines Umspannwerks. Nach BILD-Informationen handelt es sich um Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Raketen, an denen Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt waren.

Die Polizei Köln stuft den Vorfall als gezielten Sabotageversuch ein. „Jemand hat offenbar versucht, mutwillig einen Kurzschluss herbeizuführen", sagte ein Sprecher. Den Ermittlern liegt zudem ein Bekennerschreiben vor, das Bezug auf die kurz zuvor erfolgten Angriffe auf Umspannwerke in Bergheim (NRW) und Jänschwalde (Brandenburg) nimmt.

Vorrichtungen lösten nicht aus – Großeinsatz in der Nacht

Nach bisherigem Ermittlungsstand hatten die aufgefundenen Gegenstände nicht ausgelöst. „Es ist nichts passiert", bestätigte eine Polizeisprecherin. Ob ein technischer Defekt vorlag oder die Zeitschaltuhren erst zu einem späteren Zeitpunkt hätten auslösen sollen, war zunächst unklar.

Die Polizei zog umfangreiche Einsatzkräfte zusammen und sperrte das Gebiet weiträumig ab. Mit Suchscheinwerfern wurden die umliegenden Felder abgesucht, ein Hubschrauber kreiste über dem Fundort. Feuerwehrkräfte unterstützten den Einsatz. Beamte überprüften zudem weitere Umspannwerke in der Region auf verdächtige Gegenstände.

Verbindung zu Angriffen in Bergheim und Jänschwalde

Das Umspannwerk in Dormagen liegt lediglich 13 Kilometer vom Umspannwerk des Braunkohlekraftwerks in Bergheim entfernt. Beide Anlagen sowie das Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg waren am Dienstag Ziel von Angriffen geworden. Die aufgefundenen Vorrichtungen in Dormagen sollen denen aus den beiden früheren Anschlagsorten ähneln. In allen Fällen wird wegen des Verdachts von Angriffen auf kritische Infrastruktur ermittelt. Die Ermittler prüfen mögliche Zusammenhänge zwischen den Vorfällen.

Bekennerschreiben mit Motiv „fossile Brennstoffe"

Die linke Tageszeitung „taz" gab an, ein Bekennerschreiben zum Vorfall in Brandenburg erhalten zu haben. Laut Poststempel soll es in NRW abgeschickt worden sein. Der Absender beschreibt sich demnach als Einzeltäter und schildert die Raketen im Detail. Als Motiv nennt er das „unermessliche Leid", das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache. Die „taz" betont jedoch, dass nicht geklärt ist, ob der Verfasser tatsächlich der Täter ist.

Bundeswirtschaftsministerium sieht Handlungsbedarf

Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zu den Vorfällen. Ein Sprecher verwies gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland auf die Notwendigkeit, die Widerstandskraft des Stromsystems „konsequent zu stärken". Als Belege für den dringenden Handlungsbedarf nannte er den russischen Angriffskrieg, vermehrte Sabotageakte auf die Wirtschaft sowie zunehmende Extremwetterereignisse. Sabotagen gegen kritische Infrastrukturen stellten aus Sicht des Ministeriums „eine ernstzunehmende Gefahr" dar.

Source: BILD

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