Sicherheitspanne in Berliner Abgeordnetenhaus: Flüchtling dringt in Plenarsaal ein
Ein Mann stürmte am 2. Juli unerlaubt in den Berliner Plenarsaal und störte die laufende Sitzung. Bei seiner Festnahme wurde ein Multitool in seinem Gepäck gefunden.
Mann dringt in laufende Sitzung des Berliner Parlaments ein
Wie Google News LU DE berichtet, hat ein Mann am 2. Juli das Berliner Abgeordnetenhaus gestürmt und während einer laufenden Plenarsitzung in den Saal eingedrungen. Das Abgeordnetenhaus bestätigte den Vorfall auf Anfrage. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen wegen eines möglichen politischen Hintergrunds übernommen.
Ermittelt wird dem Berliner Abgeordnetenhaus zufolge wegen des Verdachts, die Tätigkeit eines Gesetzgebungsorgans gestört zu haben, sowie wegen Körperverletzung.
Auffälliges Verhalten auf der Besuchertribüne
Der Mann hatte am Eingang einen regulären Besucherausweis erhalten und war anschließend – ohne Voranmeldung – auf die Besuchertribüne des Plenarsaals gelangt. Laut der Berliner Zeitung „B.Z." redete er dort laut, gestikulierte auffällig und verließ die Tribüne dann. Kurz darauf stürmte er in Richtung Plenarsaal, in dem zum fraglichen Zeitpunkt 159 Abgeordnete tagten.
Die hauseigenen Wachleute reagierten nach Angaben der „B.Z." nicht schnell genug und riefen „Hilfe, Hilfe, da will einer rein!". Der Mann drang dennoch in den Saal ein und störte die Sitzung.
Bodyguards der Innensenatorin griffen ein
Bodyguards von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) überwältigten den Mann schließlich und übergaben ihn der Polizei. Der Mann war laut einem Sprecher des Abgeordnetenhauses „adrett gekleidet" mit silbergrauem Anzug und Krawatte erschienen.
Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Habseligkeiten fanden Beamte in einem an der Garderobe abgegebenen Gepäckstück ein sogenanntes Multitool. Solche Geräte verfügen üblicherweise über Schere, Messer oder Säge. Eine Polizeisprecherin erklärte, eine Waffe habe der Mann nicht bei sich getragen; die „B.Z." berichtete hingegen von einem Messer.
Motiv und Identität
Zu den Motiven des Mannes machte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben. Nach Informationen der „B.Z." handelt es sich um einen Flüchtling aus Spandau, der gut Deutsch spricht. Einem Beamten habe er gesagt: „Ich bin sauer auf die Regierung!"
Sicherheitsvorkehrungen verschärft
Unklar bleibt, wie der Mann trotz der geltenden Sicherheitsregeln mit dem Gegenstand ins Gebäude gelangen konnte. Vorschriften sehen vor, dass alle Taschen am Eingang durchleuchtet und alle Besucher durch eine Metalldetektor-Schleuse geführt werden – auch Journalisten mit Presseausweis sind davon nicht ausgenommen.
Als Reaktion auf den Vorfall, der zunächst geheim gehalten worden war, dürfen Einzelbesucher das Parlamentsgebäude in Berlin-Mitte an Plenartagen bis zum Ende der Wahlperiode nur noch nach vorheriger Anmeldung betreten.
Source: Google News LU DE