Neue Ermittlungen im Mordfall Pasolini – 51 Jahre nach dem Tod des Regisseurs

Die Staatsanwaltschaft Rom nimmt den Mordfall Pasolini wieder auf. Auslöser ist ein Antrag von Anwalt Stefano Maccioni auf Basis von DNA-Spuren aus 2010.

Neue Ermittlungen im Mordfall Pasolini – 51 Jahre nach dem Tod des Regisseurs

Römische Staatsanwaltschaft rollt Mordfall Pasolini neu auf

Die Staatsanwaltschaft in Rom hat neue Ermittlungen im Mordfall des italienischen Regisseurs und Schriftstellers Pier Paolo Pasolini eingeleitet. Wie kurier.at berichtet, wurde der Künstler in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1975 im Küstenort Ostia bei Rom getötet – nun, mehr als fünf Jahrzehnte später, soll der Fall neu untersucht werden.

Auslöser ist eine Strafanzeige des Anwalts Stefano Maccioni, der beantragte, den Fall auf Grundlage von DNA-Spuren, die 2010 gesichert wurden, wieder aufzurollen. „Wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft Rom endlich die Antworten liefern kann, nach denen wir seit so vielen Jahren suchen", sagte Maccioni. Er appellierte zudem an Personen, die bisher geschwiegen hätten: „Wir laden alle, die bisher lieber geschwiegen haben, dazu ein, sich zu melden und zu sprechen."

Der Fall Pelosi und das umstrittene Urteil

Als vermeintlicher Täter wurde 1976 der damals 17-jährige Giuseppe Pelosi verurteilt – wegen Totschlags zu neuneinhalb Jahren Haft. Dieses Urteil gilt heute weitgehend als Fehlurteil. Pelosi hatte am Tag nach der Tat gestanden, widerrief das Geständnis jedoch Jahre später und erklärte, unter Druck dazu gebracht worden zu sein. 1983 wurde er auf Bewährung entlassen; 2017 starb er im Alter von 58 Jahren an Krebs.

Bereits das erste Gerichtsurteil war davon ausgegangen, dass Pelosi bei der Tat nicht allein gewesen sei. Ein späteres Berufungsurteil bestätigte zwar die Verurteilung, legte aber keine Beteiligung von Komplizen fest. Auch Italiens Oberstes Gericht bestätigte diese Entscheidung.

Frühere Anträge gescheitert

Maccioni vertrat in der Vergangenheit Guido Mazzon, einen Cousin des Mordopfers. Heute arbeitet er unter anderem für den Journalistenverband der Region Latium, den Regisseur David Grieco und den Schriftsteller Giovanni Giovannetti, die sich für die Aufklärung des Falls einsetzen. Frühere Anträge auf Wiederaufnahme der Ermittlungen aus den Jahren 2016 und 2023 hatte die Staatsanwaltschaft abgelehnt. Mit dem neuen Verfahren soll nun geprüft werden, ob weitere Personen an dem Verbrechen beteiligt waren.

Politisch motivierter Mord nie bewiesen

Pasolini galt als einer der bedeutendsten italienischen Filmemacher und Schriftsteller seiner Zeit, bekannt unter anderem durch die Werke „Große Vögel, kleine Vögel" und „Die 120 Tage von Sodom". Als linker politischer Kommentator hatte er sich ebenfalls einen Namen gemacht. Wegen seines letzten Films, in dem er die Mussolini-Diktatur der Jahre 1944 bis 1945 kritisierte, hatte er Todesdrohungen von rechtsextremen Organisationen erhalten. Der Verdacht eines politisch motivierten Mordes hat sich bis heute jedoch nicht bestätigt.

Source: Google News AT — Crime (de)

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