Hinrichtung von Christa Pike scheitert – Trump fordert Ausweitung der Todesstrafe

In Tennessee überlebte Verurteilte Christa Pike einen missglückten Hinrichtungsversuch. Präsident Trump nutzte den Vorfall, um für eine Ausweitung der Todesstrafe einzutreten.

Hinrichtung von Christa Pike scheitert – Trump fordert Ausweitung der Todesstrafe

Missglückte Hinrichtung in Nashville: Christa Pike an Beatmungsgerät, Trump drängt auf mehr Todesurteile

Christa Pike überlebte vergangene Woche einen Hinrichtungsversuch per Giftspritze im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville – und liegt seitdem bewusstlos in einem Krankenhaus. Wie fr.de berichtet, hat Präsident Donald Trump den Vorfall zum Anlass genommen, die Ausweitung der Todesstrafe in den USA zu fordern.

„Wir werden die Todesstrafe für groß angelegte Drogenhändler, Menschenhändler und jeden, der einen Polizisten tötet, verabschieden", sagte Trump in einem von Fox News verbreiteten Clip. Trump äußerte sich am Freitag auf einer Wahlkampfkundgebung in Mobile, Alabama – wenige Tage nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch an Pike.

Pikes Zustand: „kritisch krank", Arme verbrannt und mit Blasen

Pikes Anwälte erklärten am Freitag, ihre Mandantin sei „kritisch krank", an ein Beatmungsgerät angeschlossen und weiterhin bewusstlos. Ihre Arme seien „geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät". Krankenhausmitarbeiter versuchten demnach, den „ätzenden" Wirkstoff Pentobarbital aus ihrem Körper zu spülen, nachdem ihr zwei Dosen verabreicht worden waren.

Laut Gerichtsdokumenten wurden bei dem Versuch mindestens sieben Nadeln eingesetzt. Pike selbst habe dem Team Hinweise gegeben, an welchen Stellen ein Venenzugang versucht werden könnte. „Sie war während des gesamten Verfahrens weinend, wimmernd und laut atmend zu hören", erklärten ihre Anwälte. Zeugen berichteten, Pike habe geschnarcht, bevor sie abtransportiert worden sei.

Die Anwälte gehen davon aus, dass das Pentobarbital „ganz oder teilweise nicht in den Blutkreislauf von Frau Pike gelangte", weil die Infusionsleitungen nicht korrekt gelegt worden seien und Venen geplatzt seien.

Verurteilung wegen Mordes 1995 – zweite Tat hinter Gittern

Pike, heute 50 Jahre alt, war 1995 im Alter von 18 Jahren wegen Mordes ersten Grades an der 19-jährigen Colleen Slemmer verurteilt worden. Slemmer war Klassenkameradin am Knoxville Job Corps, einer Einrichtung für schwierige Jugendliche. Die Staatsanwaltschaft erklärte, Pike und ihr damaliger Freund Tadaryl Shipp hätten Slemmer brutal gefoltert und getötet, weil Pike sie als Rivalin in ihrer Beziehung zu Shipp betrachtet habe. Auf Slemmers Körper war ein satanistisches Symbol hinterlassen worden.

Shipp, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Pike bestritt die Tat nicht, ihre Anwälte argumentierten jedoch, sie habe eine traumatische Kindheit und umfangreichen sexuellen Missbrauch erlitten, weshalb ihre Strafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt werden sollte. 2001 wurde Pike zudem während der Haft wegen versuchten Mordes ersten Grades an einer Mitgefangenen verurteilt.

Sie wäre die erste Frau gewesen, die in Tennessee seit mehr als 200 Jahren hingerichtet wird.

Gerichte lehnten Aufschübe ab – bis zuletzt

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte einen Antrag auf Aufschub noch am Vorabend der geplanten Hinrichtung abgelehnt. Gouverneur Bill Lee erklärte, er werde kein Gnadengesuch gewähren. Das US-Berufungsgericht für den sechsten Gerichtsbezirk verhängte am Tag des Hinrichtungsversuchs einen mehrere Stunden dauernden vorläufigen Aufschub.

Pike hatte geltend gemacht, sie werde bei einer Hinrichtung per Giftspritze „unnötige und zusätzliche Schmerzen und Leiden, Angst und Erniedrigung" erleiden – unter anderem wegen ihrer „kleinen Venen" und einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Gouverneur setzt alle Hinrichtungen für 2026 aus

Nach dem Vorfall erklärte Gouverneur Lee, das Tennessee Department of Corrections habe offenbar die Vorschriften befolgt. Dennoch setzte er alle weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat für den Rest des Jahres 2026 aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an.

May Martinez, die Mutter des Opfers Colleen Slemmer, sagte, der fehlgeschlagene Versuch bedeute, sie habe „keine Gerechtigkeit für meine Tochter" erhalten.

Pikes Fall ist bereits der zweite missglückte Hinrichtungsversuch in Tennessee in diesem Jahr. Im Mai 2026 hatte Gouverneur Lee Tony Carruthers einen einjährigen Aufschub gewährt, nachdem das Hinrichtungsteam nach mehr als einer Stunde keinen geeigneten Venenzugang hatte finden können.

Scharfe Kritik von Experten

Robin Maher, Geschäftsführerin des Death Penalty Information Center, bezeichnete Pikes gescheiterte Hinrichtung als „den schlimmsten Fall, den wir je gesehen haben, und anders als jede andere verpfuschte Hinrichtung in der modernen Ära". Sandra Babcock, Rechtswissenschaftlerin der Cornell University und Beraterin von Pikes Anwaltsteam, nannte die Ereignisse gegenüber The Guardian „unvorstellbar barbarisch".

Bryan Stevenson, Anwalt für Todesstrafenfälle und Gründer der Equal Justice Initiative in Alabama, forderte ein Ende der Praxis: „Wir sollten mit der fehlgeleiteten Politik aufhören, Menschen zu töten, um zu zeigen, dass Töten falsch ist."

Laut einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2025 befürworten dennoch 52 Prozent der Amerikaner die Todesstrafe als Strafe für wegen Mordes verurteilte Personen.

Source: Google News LU DE