Maghreb-Intensivtäter belasten Schweizer Polizei: Taskforce zieht erste Bilanz
Im Kanton Thurgau wurden 2025 rund 1000 Delikte mehrheitlich von jungen Männern aus dem Maghreb begangen. Eine Bundestaskforce meldet erste Erfolge.

Knapp 900 Delikte und ein 19-jähriger Algerier in Untersuchungshaft
Kurz nach 21 Uhr wurde in Kreuzlingen TG in ein Haus eingebrochen. Die Kantonspolizei Thurgau traf ein zerbrochenes Fenster an; Kollegen stoppten wenig später beim nahen Bahnhof einen Mann mit Schnittwunden an den Händen. Der Festgenommene ist ein 19-jähriger Algerier mit Asylstatus, dem innerhalb weniger Wochen rund ein Dutzend Delikte angelastet werden. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft; das Verfahren führt die Staatsanwaltschaft St. Gallen, da er auch dort Straftaten begangen haben soll.
Der Fall, den nau.ch unter Berufung auf die SRF-«Rundschau» schildert, steht exemplarisch für ein Problem, das die Behörden seit Jahren beschäftigt. Im Kanton Thurgau wurden laut Mediensprecher Matthias Graf im gesamten Jahr 2025 rund 1000 Delikte registriert, die mehrheitlich von jungen Männern aus dem Maghreb begangen wurden. «Dieses Jahr sind es bereits wieder knapp 900», sagt Graf.
Polizei spricht von stundenlanger Bindung pro Einsatz
Es gehe vor allem um Vermögensdelikte, begangen von jungen Männern aus Marokko, Tunesien und Algerien, erklärt Graf gegenüber «SRF». Die Belastung für die Polizei sei erheblich: «Eine Patrouille ist für einen Fall stundenlang besetzt.» Dazu komme das Verhalten der Tatverdächtigen: «Sie sind oft aggressiv, unkooperativ, man wird angespuckt.»
Den 19-jährigen Algerier bezeichnet Graf als «klassischen Intensivtäter». Der Mann bestreitet, dass seine Handverletzungen vom Einbruch stammen.
Bundesweite Zahlen: 80 Prozent der Nordafrikaner mit Asylstatus beschuldigt
Bis Ende September wurden in der Schweiz 15'667 Asylgesuche gestellt; der Anteil von Personen aus dem Maghreb liegt bei 17 Prozent. Fast alle diese Gesuche werden abgelehnt. Vom Bundesamt veröffentlichte Zahlen, die der «Blick» zugänglich machte, zeigen zudem: 2024 wurden rund 80 Prozent der Nordafrikaner mit Asylstatus einer Straftat beschuldigt.
Seit Anfang 2024 laufen beschleunigte 24-Stunden-Verfahren. Die Gesuche aus Marokko und Tunesien gingen seither zurück; bei Algeriern, der grössten Gruppe, blieben sie konstant hoch. Anfang 2025 startete der Bund eine Taskforce gegen Intensivtäter.
Taskforce: Über 60 von 116 Gemeldeten zurückgeführt oder in Haft
Claudio Martelli, Vizedirektor des Staatssekretariats für Migration (SEM) und Chef des Asylbereichs, zieht im «Rundschau»-Interview eine erste Bilanz. «Von den 116 Personen, die der Taskforce in den ersten zwölf Monaten gemeldet worden sind, sind über 60 entweder zurückgeführt worden oder sind jetzt in Haft und werden zurückgeführt», sagt Martelli.
Den Frust bei der Polizei nehme man sehr ernst, betont er. «Bei uns gibt es auch einen gewissen Frust.» Gleichzeitig stellt Martelli klar: Der grösste Teil der Asylsuchenden verhalte sich korrekt. «Es ist eine kleine kriminelle Minderheit, die dem Ruf und der Sicherheit schadet. Das wollen wir ändern.»
Als weiteren Schritt plant der Bund ein vorgelagertes Zuständigkeitsverfahren: Noch vor dem eigentlichen Asylverfahren soll geprüft werden, ob jemand überhaupt einen Asylgrund geltend machen kann. «Wir erhoffen uns, dass solche Personen gar nicht mehr in die Schweiz kommen», sagt Martelli.
Experte: «Sie hoffen auf ein besseres Leben»
Journalist und Maghreb-Experte Beat Stauffer ordnet die Situation ein. Ein Teil der Männer habe bereits in der Heimat Probleme gehabt und sei dort teilweise straffällig geworden. In Ländern wie Italien hätten viele auf der Strasse gelebt, Medikamente und Drogen konsumiert und begonnen zu stehlen. Wenn sie in die Schweiz kämen, seien sie von der Reise bereits schwer gezeichnet. «Sie hoffen auf ein besseres Leben», sagt Stauffer.
Die «Rundschau» sprach auch direkt mit jungen Männern aus dem Maghreb. Viele wirkten berauscht oder stark alkoholisiert. Ein junger Algerier schildert seinen Weg: «Ich war drei Jahre in Italien, danach ein Jahr in Frankreich. Jetzt bin ich seit zwei Monaten in der Schweiz.» Er habe in der Heimat Probleme mit Justiz und Politik gehabt. «Ich will hier ein ruhiges Leben führen.»
Die Deliktzahlen bleiben trotz der Taskforce hoch. Viele Tatverdächtige tauchen laut dem Bericht unter; Festnahmen und kurze Gefängnisstrafen schreckten zahlreiche nicht ab.
Source: Google News CH — Crime (de)