Frankfurt: 54 Festnahmen nach massiven Ausschreitungen in der Halloween-Nacht
Nach Krawallen in Frankfurts Innenstadt am Samstagabend wurden 54 Personen festgenommen und 100 Polizisten verletzt. Innenminister Poseck fordert härtere Strafen für die Randalierer.

Gewalt und Plünderungen in der Frankfurter Innenstadt
Nach den schweren Ausschreitungen in Frankfurts Innenstadt am Samstagabend zog die Polizei am Sonntag erste Bilanz: 54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten, fünf geplünderte Geschäfte. Nach Angaben von Innenminister Roman Poseck (CDU) wurden zudem 87 Strafanzeigen aufgenommen, 1.225 Platzverweise ausgesprochen und 366 Personen kontrolliert.
Die Ausschreitungen begannen nach einer Gen-Z-Demonstration, als eine kleinere Gruppe gewalttätig wurde. Die späteren Plünderungen und Randalen auf der Zeil und in der übrigen Innenstadt schreibt die Polizei einer anderen Personengruppe zu. Laut Einsatzleiter Erik Hessenmüller sei es eine schwierige Gemengelage für die Einsatzkräfte gewesen, die genau differenzieren müsse, wer wann beteiligt war.
Bei den nächtlichen Randalen handelte es sich nach Einschätzung der Polizei vor allem um junge Männer mit Migrationshintergrund. Die Gruppen, die sich regelmäßig an Wochenenden in der Frankfurter Innenstadt treffen, seien der Polizei bereits bekannt, sagte Polizeipräsident Stefan Müller. Bislang habe man diese als „erlebnisorientiert" eingeordnet; die Ereignisse hätten aber gezeigt, dass sie gewaltbereit seien. Ein politisches Motiv sei nicht erkennbar.
Bei den 54 Festgenommenen handelt es sich um Menschen im Alter zwischen 13 und 29 Jahren. Nach Angaben von Innenminister Poseck besitzen sie überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit. Unter den Festgenommenen seien sowohl Frankfurter als auch Personen aus anderen Teilen Hessens und aus Nordrhein-Westfalen.
Möglicherweise hätten sich einige Randalierer die Bilder von Plünderungen in Frankreich zum Vorbild genommen, sagte die Polizei. Welche Geschäfte angegriffen wurden, sei dabei offenbar eher zufällig gewesen. Insgesamt wurden fünf Geschäfte geplündert. Angegriffen wurde auch ein Waffengeschäft, wo die Polizei mehrere Personen festnahm und Schreckschusswaffen sicherstelle.
Die Polizei wurde zudem mit Böllern und Molotowcocktails angegriffen, teilweise aus dem Hinterhalt. Randalierer errichteten Barrikaden. Zeitweise gab es bis zu 30 Einsatzorte gleichzeitig. Das große Gebiet mit zahlreichen Straßen, kleinen Gassen und Innenhöfen habe den Polizeieinsatz erheblich erschwert, so die Verantwortlichen. Von den 100 verletzten Polizisten wurde einer schwer verletzt, nachdem ihm ein Stein ins Gesicht traf.
Forderung nach härteren Strafen
Innenminister Poseck bezeichnete die Ausschreitungen als „entsetzlichen Gewaltexzess". Für die Einsatzkräfte sei es eine außerordentlich schwierige Nacht gewesen. Die Gruppe von schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Störern sei überwiegend „migrantisch geprägt" gewesen, sagte er. Zugleich betonte er, dass die Festgenommenen mehrheitlich deutsche Staatsangehörige seien.
Es dürfe nun „keine falschen Tabus geben", forderte Poseck. Er setze „auf Inhaftierungen und abschreckende Strafen". Die Nacht müsse klare Konsequenzen haben, und die Täter müssten die „ganze Härte des Rechtsstaates" spüren. Der Innenminister kündigte an, stärker gegen Strukturen von „gewaltbereiten Menschen mit Migrationshintergrund" vorgehen zu wollen, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zeigte sich schockiert: „Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft. Wir werden Aggressoren, Tätergruppen und Hergang genau bewerten und unsere Schlüsse ziehen."
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) sagte, er sei „fassungslos und wütend". Anders als Poseck betonte Josef dabei nicht die Herkunft der mutmaßlichen Täter. „Mir ist völlig egal, welchen Pass jemand hat oder wo seine Eltern geboren sind", sagte der Oberbürgermeister. Wer Gewalt ausübe, müsse die juristischen Konsequenzen tragen.
Die Organisatoren der Gen-Z-Demonstration distanzierten sich ausdrücklich von den Ausschreitungen. Ein Sprecher der Initiative „Gen Z regelt" erklärte, dass die Veranstalter auf die Ereignisse nach dem Ende der Kundgebungen keinen Einfluss gehabt hätten. Bereits am Samstagabend hatte die Initiative auf Instagram mitgeteilt, dass sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen" distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen gewesen seien.
Source: BILD