Lazarus-Hackergruppe stiehlt 6,3 Milliarden Dollar von Kryptobörse Binance
Nordkoreanische Staatshacker haben die Kryptobörse Binance in einem 20-minütigen Angriff um mehr als sechs Milliarden Dollar erleichtert. Es ist der größte bekannte Diebstahl durch die legendäre Lazarus-Gruppe.

Rekordraub bei Binance
Laut Süddeutsche Zeitung haben nordkoreanische Hacker die Kryptobörse Binance um 6,3 Milliarden Dollar beraubt. Der Angriff dauerte etwa 20 Minuten und erbrachte Kryptowährungen in den Währungen Ethereum, Bitcoin sowie Stablecoins von Tether und Circle. Praktisch alle Cybersicherheitsexperten machen die Gruppe Tradertraitor, eine Untergruppierung der Staatshackergruppe Lazarus, für den Diebstahl verantwortlich.
Das FBI bestätigte Nordkorea als Täter und begründete dies unter anderem damit, dass beim Hack Kryptowährungsadressen wiederverwendet wurden, die Lazarus bereits 2025 bei einem Angriff eingesetzt hatte. US-Präsident Donald Trump widersprach dieser Einschätzung öffentlich, während die globale Cybersicherheitscommunity dem FBI zustimmte.
Die Lazarus-Legende
Die Hackergruppe Lazarus existiert Experten zufolge seit etwa 2009, ihre weltweite Bekanntheit erlangte sie 2014 durch die Attacke auf das Filmstudio Sony Pictures. Unter dem Namen „Guardians of Peace" stahlen die Hacker Gigabytes an Daten und erpressten das Studio, weil dieses den Film „The Interview" produziert hatte — ein Film über die Ermordung des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un. Sony sagte den Filmstart zunächst ab und gab der Erpressung nach.
Der damalige Senator John McCain warnte, Sonys Nachgeben würde die Täter nur ermutigen, künftig noch aggressiver vorzugehen. Zwölf Jahre später zeigt sich: McCain behielt recht. Lazarus spezialisierte sich allerdings fortan nicht auf Filmstudios, sondern auf die lukrativere Kryptoindustrie.
Nordkorea als Cybermacht
Machthaber Kim Jong-un erkannte früh das Potenzial asymmetrischer Cyberangriffe für sein unter internationalen Sanktionen leidendes Land. Nordkorea verfügt Schätzungen zufolge über eine regelrechte Hacker-Armee von mehr als 8.000 Personen. Die Staatshacker gelten als weltklasse und können es mit Hackern jeder Industrienation aufnehmen.
Während die klassische Wirtschaftsleistung Nordkoreas gering ist — das Land soll zuletzt Waren im Wert von etwa 470 Millionen Dollar exportiert haben, große Posten darunter Perücken und Wimpern — sind Cyberattacken das erfolgreichste Exportgeschäft. Die Hacker bringen Devisen ins Land zurück, die der Staatskasse zugute kommen.
Milliardensummen durch Kryptohacks
Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Expertengruppe schätzte 2024, dass Lazarus zwischen 2017 und 2023 mindestens drei Milliarden Dollar durch Krypto-Hacks erbeutet hatte. Das Blockchain-Analyse-Unternehmen Chainalysis bezifferte diese Summe zwei Jahre später auf mehr als sechs Milliarden Dollar. Mit dem Binance-Raub kamen auf einen Schlag erneut mehr als sechs Milliarden Dollar hinzu — der bisherige Rekord lag bei etwa 1,5 Milliarden Dollar aus einem Angriff auf die Plattform Bybit im Jahr 2025.
Teilweise Sperre der Beute
Die volle Summe wird Lazarus wahrscheinlich nicht behalten können. Die Stablecoin-Unternehmen Tether und Circle froren rund 2,4 Milliarden Dollar der gestohlenen Coins unmittelbar nach dem Hack ein. Anders als bei dezentralen Kryptowährungen behalten Stablecoin-Unternehmen die Kontrolle über alle ausgegebenen Coins — eine Zentralisierung, die von Krypto-Puristen kritisiert wird, sich aber in diesem Fall als Schutzmaßnahme erwies.
Binance unter Beobachtung
Das Opfer des Hacks, die Kryptobörse Binance, gilt zusammen mit Coinbase als Rückgrat der Kryptoindustrie. Die Plattform wurde von Changpeng „CZ" Zhao gegründet, der sie ursprünglich in China aufbaute, später nach Malta verlegte und seitdem keinen festen Firmensitz hat. Aufsichtsbehörden in Deutschland, Großbritannien und anderswo warnten jahrelang vor Binance als Risiko für Verbraucher aufgrund fehlender Compliance. Die US-Justizbehörden klagten CZ schließlich wegen Verstößen gegen Geldwäschegesetze an. Er handelte einen Deal aus, bekannte sich schuldig, und Binance zahlte vier Milliarden Dollar Strafe. Ein Richter verurteilte CZ zu vier Monaten Haft. Donald Trump begnadigte ihn später.
Source: Süddeutsche Zeitung