Nadelattacken auf Halloween-Süßigkeiten in neun Bundesländern

Polizei ermittelt bundesweit wegen manipulierter Naschereien. Kinder fanden Nadeln, Schrauben und Metallteile in einzeln verpackten Süßigkeiten.

Nadelattacken auf Halloween-Süßigkeiten in neun Bundesländern

Manipulierte Süßigkeiten in mehreren Bundesländern entdeckt

Nach Halloween-Aktionen vergangenes Wochenende berichten Familien in neun Bundesländern von gefährlichen Metallgegenständen in Süßigkeiten. Wie sueddeutsche.de meldet, wurden Nadeln, Schrauben und Metallstifte in Schokoriegeln, Kaubonbons, Weingummi und Waffelschnitten gefunden. Die Polizei ermittelt in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und drei Landkreisen Sachsen-Anhalts. Ein Fall wurde auch aus Österreich gemeldet.

In Filderstadt bei Stuttgart fanden zwei Familien mehrere Nadeln in Milch-Haselnuss-Schnitten, die von außen nicht sichtbar waren. Eine Mutter hatte die Beute ihrer Tochter nach Berichten über präparierte Süßigkeiten mit einem Magneten durchsucht. Im bayerischen Landshut steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Naschereien jeweils eine Nähnadel. Weitere Nadelfunde meldete die Polizei aus Nürnberg, Neuburg, dem thüringischen Leinefelde-Worbis und Herbsleben. Im Kreis Konstanz enthielten einzeln verpackte Waffelschnitten metallische Fremdkörper.

In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn erhielt. Versteckt in dem Riegel fand er eine spitze Nadel. An anderen Orten in Essen wurden Metallstifte in einem Schokoriegel und in einer Tüte mit Weingummi entdeckt.

Ein Verletzungsfall und ungeklärte Hintergründe

Bislang berichtete die Polizei in einem Fall von Verletzungen durch die entdeckten Fremdkörper: In Niedersachsen wurde ein Mädchen durch einen manipulierten Schokoriegel verletzt. In den übrigen Fällen bemerkten die Familien die Metallteile, bevor die Kinder die Süßigkeiten aßen. Spitze oder scharfe Gegenstände können beim Verschlucken schwere innere Verletzungen verursachen – etwa Verletzungen der Speiseröhre, des Magens oder des Darms – und sind potenziell lebensgefährlich.

Die Hintergründe der Manipulationen sind bislang unklar. Vielerorts geht die Polizei davon aus, dass die Nadeln absichtlich in die Süßigkeiten gesteckt wurden. Wer dahintersteckt und welches Motiv vorliegen könnte, ist offen. Ebenso ist völlig unklar, ob ein Zusammenhang zwischen den Funden in verschiedenen Städten besteht. Einige Polizeistellen ermitteln wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung.

Lidl-Fund aus dem Supermarkt

In einem Fall stammte ein manipulierter Riegel nicht vom Türklingeln, sondern aus einem Einzelhandelsgeschäft. Nach Polizeiangaben berichtete eine Frau im niedersächsischen Garbsen, einen Schokoriegel beim Lebensmittel-Discounter Lidl gekauft und noch am selben Abend eine Nähnadel darin entdeckt zu haben. An der Verpackung und der Süßigkeit seien keine Auffälligkeiten erkennbar gewesen, die auf eine Manipulation hingedeutet hätten.

Lidl teilte mit, in engem Austausch mit den Ermittlungsbehörden und seinem Lieferanten zu stehen und den Hinweis sehr ernst zu nehmen. Zu Ursachen und weiteren Hintergründen äußerte sich das Unternehmen unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht.

Historische Fälle und aktuelle Besonderheit

Metallgegenstände in Halloween-Süßigkeiten wurden bereits in vergangenen Jahren gefunden. 2025 entdeckte eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet ist jedoch sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar.

Sicherheitsmaßnahmen und Ermittlungsherausforderungen

Verdächtige Süßigkeiten sollten nicht gegessen, sondern einschließlich der Verpackung aufbewahrt und dem örtlichen Polizeirevier gemeldet werden. Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um vorhandene Spuren zu erhalten. Für die Ermittlungen können Hinweise der Familien und Spuren an Süßigkeit, Verpackung und Fremdkörper wichtig sein – eine schwierige Aufgabe, da Halloween-Sammler häufig später nicht mehr wissen, woher welcher Riegel stammt.

Viele Polizeistellen warnen vor dem arglosen Verzehr der Süßigkeiten und raten zur Kontrolle. Die Polizei Essen schreibt: „Bitte überprüfen Sie vor dem Verzehr die Süßigkeiten auf mögliche Einstichstellen und nehmen Sie bei verdächtigen Feststellungen umgehend Kontakt zur Polizei auf." Eine unauffällige Hülle ist allerdings noch keine Garantie – nicht immer sind die metallischen Gegenstände von außen zu erkennen.

Die Behörden warnen gleichzeitig vor übertriebener Besorgnis. Die Polizei Bad Segeberg betont: „Nicht jeder Kopfschmerz oder jede Übelkeit muss auf den Verzehr von möglicherweise manipulierten Süßigkeiten zurückzuführen sein." Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder" rät, dass Eltern sofort ärztliche Hilfe aufsuchen sollten, falls der Verdacht besteht, dass ein Kind eine Nähnadel oder einen anderen Fremdkörper verschluckt hat.

Source: Google News DE — Crime (de)

Read this article in English