AfD-Datenleck: Programmierer aus den USA als mutmaßlicher Hacker identifiziert
ZDF und Spiegel identifizierten einen in den USA lebenden Programmierer als mutmaßlichen Urheber des massiven AfD-Datenlecks mit 280 Gigabyte Parteidaten.

Programmierer aus den USA hinter dem AfD-Datenleck identifiziert
Laut tagesspiegel.de haben ZDF und „Der Spiegel" einen der Hacker hinter dem massiven AfD-Datenleck identifiziert: Es handelt sich demnach um einen in den USA lebenden Programmierer namens Oleksij L., der sich beruflich mit maschinellem Lernen beschäftigt.
Im Oktober hatten Unbekannte rund 280 Gigabyte an AfD-internen Daten online veröffentlicht. Das Material umfasst mehr als 421.000 E-Mails aus den Jahren 2013 bis 2026 sowie über 48.000 Dokumente — darunter Vorstandsprotokolle, Mitgliederlisten und Lohnabrechnungen. ZDF, „Der Spiegel" und das österreichische Blatt „Der Standard" werteten die Daten eigenen Angaben zufolge mit technischer Unterstützung des Recherchenetzwerks OCCRP aus.
Laxe IT-Sicherheit als „verlockendes Ziel"
Zu dem Hack bekennt sich Oleksij L. gegenüber den Medien nicht offen. Gegenüber dem ZDF-Format „ZDF frontal" äußerte er jedoch, die AfD sei wegen mangelhafter IT-Sicherheit „zu einem verlockenden Ziel" geworden. Ein politisches Motiv schließt „Der Spiegel" auf Basis der Recherchen aus: „Es sei zunächst nicht um Politik gegangen, obwohl das jetzt vermutet werde", zitiert das Magazin aus L.s Antwort. L. selbst wird vom ZDF mit den Worten zitiert: „Ich verstehe diese Schlussfolgerung, aber das ist die einfache Geschichte, die die Leute hören wollen."
Weder in Sprachchats noch in seinen Beiträgen auf X und Telegram finden sich den Berichten zufolge Hinweise darauf, dass L. vor dem Leak politisch interessiert gewesen wäre — „geschweige denn für Rechtsextremismus".
Verbindung zum anonymen Account „Versistance"
Mehrere digitale Spuren verbinden L. mit dem anonymen Account „Versistance", über den das Datenleck im Oktober veröffentlicht wurde. Beide nutzten demnach dieselben Spitznamen. Unter einem dieser Nicknames betreiben sowohl „Versistance" als auch L. eine interaktive Website mit feuerrotem Hintergrund und der Begrüßungsformel: „Willkommen in der Hölle." Ein IT-Experte bestätigte die Analyse der beiden Medien.
Auf dem Telegram-Kanal einer Chronik-Website der sogenannten „Com"-Szene wurde die Leak-Website am 18. Oktober bereits im Vorfeld beworben — mit dem Screenshot eines Countdowns: „Das Archiv öffnet in 01 Stunde 10 Minuten 17 Sekunden." Das ZDF wertet dies als weiteren Beleg dafür, dass das AfD-Leak aus diesem Umfeld stammt.
Die „Com"-Szene im Hintergrund
Viel deute darauf hin, dass L. zur Online-Szene namens „Com" gehört, heißt es in den Berichten. Er trete darin als eine Art Chronist auf; ähnlich wie die Leak-Website sei auch die zugehörige Chronik-Seite zumindest teilweise mit KI-Unterstützung erstellt worden.
In Sprachchats, die dem ZDF vorliegen, spricht offenbar L. Anfang September — rund sechs Wochen vor der Veröffentlichung — mit anderen „Com"-Mitgliedern: „Das wichtigste Exportgut der Com sind erbeutete Daten, Datenlecks, Firmendaten, Milliarden Zeilen."
L. schreibt, das Team hinter dem Leak bestehe aus zwei Personen — „mir – Ver – und der Person, die ich meinen Team Leader nenne". Wer der Teamleader ist, lässt er offen. Dieser habe ihm zudem „höflich geraten", sich nicht zu den Details des Angriffs zu äußern.
Zweite Verdächtige ebenfalls in den USA
Weitere Spuren führen zu einer Frau Mitte 30, die ebenfalls in den USA lebt. In den Sprachchats wird sie als Vertraute von Oleksij L. dargestellt. Sie sagte von sich selbst, sie habe „wegen Cyber-Terrorismus" bereits im Gefängnis gesessen. Zu dem Verdacht, auch am AfD-Leak beteiligt gewesen zu sein, wollte sie sich laut ZDF nicht äußern.
Die geleakten E-Mails enthalten den Auswertungen zufolge unter anderem brisantes Material über eine Spendenaffäre rund um die heutige AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel und geben Einblick in parteiinterne Kommunikation, die Mitglieder in vermeintlich geschlossenen Kreisen führten.
Source: Google News LU DE