Einbruch bei Juwelier Weikhard in Graz: Bande im Verdacht, Kollegen rüsten nach

Nach einem Blitzeinbruch in 90 Sekunden auf dem Grazer Hauptplatz schildert Juwelier Weikhard die Tat – und Kollege Schullin warnt vor gezieltem Ausspionieren.

Einbruch bei Juwelier Weikhard in Graz: Bande im Verdacht, Kollegen rüsten nach

Grazer Juwelier nach Blitzeinbruch: Sicherheitsglas überwunden, Bande im Verdacht

Ein kreisrundes Loch, kaum größer als eine Untertasse – und trotzdem ausreichend, um dem Grazer Juwelier Klaus Weikhard in kürzester Zeit zahlreiche Luxusuhren zu stehlen. Wie die Kleine Zeitung berichtet, drangen Einbrecher vor wenigen Tagen in sein Geschäft am Grazer Hauptplatz ein. Die gesamte Aktion dauerte knapp 90 Sekunden.

Wer angenommen hatte, die Täter hätten mit Zange oder Spezialwerkzeug gearbeitet, liegt falsch. „Nein", sagt Weikhard. „Sie haben einfach zugegriffen. Man sieht das schön auf den Bildern unserer Überwachungskamera." Diese Aufnahmen haben inzwischen Beamte der Grazer Polizei gesichtet. Auf deren Bitte hin nennt Weikhard weder den genauen Umfang der Beute noch die Schadenssumme – die Ermittlungen laufen noch, und es bestehe der Verdacht, „dass hier eine Bande am Werk war".

Die Schadensregulierung mit der Versicherung sei inzwischen abgeschlossen. Offen bleibt hingegen die Frage, wie der Einbruch trotz Sicherheitsvorkehrungen möglich war. „Wir haben eigentlich gedacht, dass es in dieser Form nicht möglich ist. Nun müssen wir einmal mehr überlegen, wie wir nachrüsten", so Weikhard. Sicherheitsglas sei zwar eingesetzt worden, „aber auch dieses kann irgendwann überwunden werden". Einbruchsicheres Panzerglas sei im Alltag schwer nutzbar: „Das ist irgendwann nicht mehr schön, wir reden hier ja trotz allem noch von Schaufenstern."

Kollege beobachtet gezieltes Ausspionieren

Für Hans Schullin, dessen Juweliergeschäft nur wenige Meter entfernt in der Herrengasse liegt, ist der Überfall auf Weikhard der vorläufige Höhepunkt einer seit Wochen anhaltenden Entwicklung. „Wir bemerken gerade vermehrte Aktivitäten. Dass uns Leute ausspionieren, vom Gastgarten aus, und sich Notizen machen oder gar Fotos." Eine Person habe sich jüngst sogar an die rückwärtige Eingangstür geschlichen und die Türangeln im Detail fotografiert. „Daraufhin haben wir diese Tür, ohnehin eine Sicherheitsvorrichtung, trotzdem noch zusätzlich mit einem Gitter versehen."

Schullin selbst erlebte 2015 einen der spektakulärsten Überfälle in der Grazer Innenstadt. Ein Unbekannter erschien mit einem Blumenstrauß an der Tür – ein in Juweliergeschäften nicht unüblicher Anlass. Er wurde noch vor Geschäftsbeginn eingelassen. Kurz darauf stürmten zwei bewaffnete Männer herein. „Der Überfall lief wie ein Film ab. Ich hatte das Gefühl, es dauert ewig", schilderte Schullin, der sich zu Boden legen musste. Den Vorfall verglich er mit einem Lawinenunglück, das er 1996 überlebt hatte: „Auch damals war ich hoch konzentriert im Bestreben, jede Chance zu nutzen." Jahre später wurden Mitglieder der sogenannten „Pink Panther"-Bande deswegen vor Gericht gestellt.

Schutznebelanlagen und Security-Personal als Antwort

Seither hat Schullin die Sicherheitsvorkehrungen deutlich ausgebaut. Neben Maßnahmen gegen sogenannte Rammbock-Attacken – bei denen Einbrecher zunächst ein Fahrzeug ins Geschäft steuern – ist nun auch ein Security-Mitarbeiter dauerhaft vor dem Eingang postiert.

Dazu kommen weniger sichtbare Systeme. Wie bereits 2019 in der Herrengasse deutlich wurde, als Passanten wegen einer vermeintlichen Rauchwolke Alarm schlugen: Die Feuerwehr fand keinen Brand vor, sondern einen Fehler in einer Schutznebelanlage. Solche Systeme fluten bei einem Einbruch einen Raum automatisch mit Nebel – laut Angaben des damaligen Firmenvertreters Christian Haberkorn „mit drei Metern pro Sekunde". Die Sorge mancher Händler, ein Einbrecher könnte dadurch in Panik geraten und unberechenbar werden, teilte Haberkorn nicht: „Die Anlage sollte so installiert sein, dass der Nebel die Person beim Hereinkommen trifft und zum Umkehren bewegt."

Source: Kleine Zeitung

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