Schlossberg-Bande terrorisierte Südsteiermark nach Kriegsende 1945
Nach 1945 hielt die bewaffnete Schlossberg-Bande das südsteirische Grenzland in Atem. Morde, Verschleppungen und Plünderungen prägten die Region bis zu den Verhaftungen 1947.

Bewaffnete Bande hielt Südsteiermark nach Kriegsende in Schrecken
Am 27. Juni 1947 fielen auf dem Hammerkautz-Hof in Großwalz Schüsse. Zwei Bewohner des Gehöfts starben, vier wurden verletzt. Eine Gendarmeriepatrouille rückte aus — zwei Beamte wurden erschossen, ein weiterer später verschleppt. Ein Gedenkstein mit den Namen der Opfer erinnert noch heute an den Vorfall. Wie die Kleine Zeitung berichtet, konnte die Täterschaft nie eindeutig nachgewiesen werden; verdächtigt wurde die gefürchtete Schlossberg-Bande, auch als Sernec-Bande bekannt.
Angeführt von Ferdo Sernec, scharte die Gruppe rund zwei Dutzend Männer um sich, darunter seine beiden Brüder. Die Bande verstand sich als faschistisches Sammelbecken gegen das kommunistische Jugoslawien. Ihre Mitglieder waren nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes und dem Sieg der Tito-Partisanen nach Österreich geflohen und versteckten sich in den bewaldeten Hügeln und auf verstreuten Höfen im Leutschacher Grenzgebiet.
Von dort aus verbreiteten sie Schrecken in der gesamten Region. Die Schlossberg-Bande unterhielt Verbindungen in ein Lager für Staatenlose in Salzburg, von wo aus die dazugehörige Weißgardistenbewegung koordiniert wurde. „Ihr Ziel war es, den Kommunismus zu stürzen — wenn nötig, mithilfe eines Bürgerkrieges. Insofern waren sie ein Produkt des Kalten Krieges", sagt Historiker Christian Promitzer vom Institut für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie an der Universität Graz. Ob die westlichen Besatzungsmächte die Gruppe anfänglich duldeten, sei bis heute ungeklärt, so Promitzer. Unterstützung erhielten sie auch von ehemaligen Nazis aus der Region.
Der politische Kontext war aufgeladen: Im November 1945 fanden die ersten freien Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt, die Steiermark unterstand der britischen Besatzungsmacht. Jugoslawien erhob zur selben Zeit noch Gebietsansprüche auf Soboth, Radkersburg und Leutschach. Die Grenzlandbevölkerung — darunter viele Slowenischsprachige — geriet zwischen die Fronten. Slowenisch zu sprechen und sich zu Österreich zu bekennen schloss sich dabei nicht aus.
Nach der tödlichen Schießerei beim Hammerkautz-Hof agierten beide Seiten der Grenze gegen die Bande. Der jugoslawische Geheimdienst schleuste Agenten ein. Im Juli 1947 standen zwölf Männer in Ljubljana vor Gericht; sieben wurden hingerichtet, fünf erhielten Freiheitsstrafen. Weitere Bandenmitglieder wurden auf österreichischer Seite vor dem Obersten Britischen Militärgericht in Graz angeklagt — wegen Verschleppungen, Morden, Schmugglerei und Plünderungen. Mangels Beweisen blieb ein Teil der Vorwürfe ungesühnt.
Die weitere Biografie der Anführer ist laut einer Online-Publikation von Gabriel Haring dokumentiert: Ferdo Sernec lebte später in Norddeutschland und arbeitete als Portier. Sein Bruder Alojz schloss sich der französischen Fremdenlegion an, Josef Sernec wurde Bergmann. Viele Fragen rund um dieses Kapitel der südsteirischen Grenzlandgeschichte sind bis heute offen.
Source: Kleine Zeitung