Cyberangriffe auf Supermärkte: Deutschland betroffen, Millionenschaden droht

Nach Attacken in Frankreich, Schweden und Belgien sind auch deutsche Supermärkte Ziel von Hackerangriffen auf Kühlsysteme geworden. Der potenzielle Schaden könnte in die Millionen gehen.

Cyberangriffe auf Supermärkte: Deutschland betroffen, Millionenschaden droht

Hackerangriffe auf Kühlsysteme in deutschen Supermärkten

Zu Beginn dieser Woche meldeten deutsche Supermärkte mehrere Fälle von Cyberattacken auf ihre Kühlsysteme. Wie morgenpost.de berichtet, hatten Hacker gegen Mitternacht die Kontrolle über Kühl- und Gefrierschränke übernommen und diese in den Abtaumodus versetzt. Das Vorgehen entsprach früheren Angriffen in Frankreich, Schweden und Belgien.

Die Angriffe führten zur Zerstörung großer Lebensmittelmengen. Joghurts, Milchgetränke, Tiefkühlpizzen, Hähnchennuggets und Eis mussten entsorgt werden. In Frankreich waren vor drei Wochen hunderte Filialen betroffen, teilweise heizten sich die Kühlgeräte auf 50 Grad auf. In Deutschland traf es nach bisherigen Erkenntnissen aber nur eine überschaubare Zahl von Märkten.

Schwachstellen in älterer Technik

Die Angriffe zielten auf Kühlsysteme des dänischen Herstellers Danfoss ab. Laut dem Unternehmen war ältere Technik betroffen, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatte und keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr erhielt. Die Schwachstellen waren bereits seit Monaten bekannt. Sicherheitsforscher wiesen darauf hin, dass viele betroffene Systeme einfach aus dem Internet erreichbar waren.

Christopher Kunz, Security-Experte von Heise Online, warnte bereits im Oktober vor ähnlichen Angriffen auf Deutschland. "Ein vergleichbarer Angriff auch auf deutsche Supermärkte ist möglich", sagte er gegenüber der Morgenpost. Das typische Verhalten vieler Unternehmen und Verbraucher sei das Problem: "Vernetzte Geräte werden primär als langlebiges Stück 'dumme Technik' behandelt, das man einmal kauft und weiterbetreibt."

Unterschiedliche Verwundbarkeit der Handelsketten

Die deutsche Supermarktlandschaft ist dezentraler aufgestellt als die französische. Ein Insider, der mehrere große Filialen betreibt, erklärte gegenüber der Redaktion, dass bei genossenschaftlich organisierten Ketten wie Edeka und Rewe die Märkte in der Hand einzelner selbstständiger Kaufleute sind. "Es sind meine Kühlregale, ich habe die gekauft und installiert, habe eine Fachfirma dafür, und es gibt gar keine Zentralsteuerung", so der Betreiber. Rein technisch sei ein großflächiger Ausfall wie in Frankreich daher nicht möglich.

Bei Lidl und Aldi könnte die Situation anders aussehen, da diese zentral verwaltet sind. "Da wäre so ein Szenario realistischer", meinte der Insider. Beide Firmengruppen wollten sich auf Anfrage nicht zu möglichen Risiken äußern.

Rewe teilte mit, dass bei eigenen Märkten "keine vergleichbaren Vorfälle" bekannt seien. Das Unternehmen monitore die Lage kontinuierlich, äußere sich aber aus Sicherheitsgründen nicht zu konkreten technischen Schutzmaßnahmen.

Hohe Schadensummen möglich

Sollten deutsche Märkte großflächig von einer solchen Attacke betroffen werden, dürfte der Schaden in die Millionen gehen. Der Warenwert von Kühl- und Tiefkühlprodukten in einem durchschnittlichen Supermarkt liegt zwischen 20.000 und 50.000 Euro — abhängig von Größe der Verkaufsfläche und Füllstand der Regale und Lager zum Zeitpunkt eines Angriffs.

Der Marktbetreiber betont die hohen Sicherheitsstandards seines Verbundes: "Für jeden Prozess brauchen wir ein neues Passwort, einen zweiten Faktor, einen Tokengenerator." Auch für technische Störungen sei man vorbereitet — fallen die Internetverbindungen aus, können batteriebetriebene Kartenlesegeräte mit eigener SIM-Karte Zahlungen abwickeln. Ein Angreifer müsste dafür die Mobilfunkverbindung stören.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, dass Krisenvorsorge für die Handelsunternehmen sehr wichtig sei. Unternehmen befassten sich intensiv damit, wie sie den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können, und investierten bereits umfassend in digitale und physische Resilienz.

Verbraucher würden Cyberangriffe auf Supermärkte schnell bemerken, sagte Kunz von Heise Online. Die Just-in-Time-Logistik bei Lebensmitteln führe dazu, dass sich Störungen rasch bemerkbar machen.

Source: Die Zeit Kriminalität

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