Millionenprozess in Leoben: 75-Jähriger teilweise geständig vor Gericht
Am Landesgericht Leoben steht ein 75-jähriger Ex-Geschäftsführer wegen eines Schadens von 3,54 Mio. Euro vor Gericht. Er räumt Teile der Vorwürfe ein.

Prozess in Leoben: Ex-Geschäftsführer gesteht Teile der Millionenvorwürfe
Am Landesgericht Leoben hat am Mittwoch ein umfangreicher Wirtschaftsprozess gegen einen 75-jährigen Obersteirer begonnen. Wie 5min.at berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft eines oberösterreichischen Unternehmens vor, seine Befugnisse über Jahre hinweg missbraucht zu haben. Der geltend gemachte Schaden beläuft sich auf rund 3,54 Millionen Euro. Zum Prozessauftakt räumte der Angeklagte einen Teil der Vorwürfe ein — in anderen Punkten widersprach er der Anklage.
Ein besonders auffälliger Anklagepunkt betrifft Zahlungen an einen Jäger. Dieser soll über mehrere Jahre insgesamt knapp 440.000 Euro erhalten haben, obwohl er laut Staatsanwaltschaft ausschließlich in der privaten Eigenjagd des Sohnes des Angeklagten tätig war. Die Zahlungen seien dennoch über das Unternehmen abgewickelt worden. Mit diesem Vorwurf konfrontiert, gestand der 75-Jährige, davon gewusst zu haben. „Ich wusste es. Es war ein Fehler. Ich wollte das vertuschen", erklärte er vor Gericht. Auch weitere privat veranlasste Ausgaben — darunter eine Photovoltaikanlage, Haushaltsgeräte und Dienstwagen —, die über die Firma abgerechnet worden sein sollen, räumte er teilweise ein.
Den größten Anteil an der Schadenssumme machen allerdings Bonuszahlungen an den Sohn des Angeklagten aus, der ebenfalls Geschäftsführer der Gesellschaft war und vor rund zwei Jahren verstorben ist. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 75-Jährigen vor, seinem Sohn überhöhte Boni in Höhe von knapp drei Millionen Euro gewährt zu haben. Diesen Vorwurf weist der Angeklagte entschieden zurück: Die Zahlungen seien rechtmäßig und von den Gesellschaftern genehmigt worden. Schriftliche Vereinbarungen habe es allerdings nicht gegeben — das sei im Unternehmen über Jahrzehnte so üblich gewesen.
Im Verlauf der Verhandlung rückte auch der Führungsstil des Angeklagten in den Fokus. Zeugenaussagen zufolge soll er nahezu alle Entscheidungen im Unternehmen allein getroffen haben. Richter Armin Scheck fragte nach, ob diese dominante Stellung dazu geführt haben könnte, dass Mitarbeiter aus Angst vor Konsequenzen keine Einwände erhoben. Auch die Sorge einer Buchhalterin vor einer möglichen Kündigung wurde thematisiert. Der Angeklagte selbst beschrieb sich als durchsetzungsstarke Persönlichkeit: „Ich bin eine dynamische Person und wusste, wie ich meinen Willen durchsetze."
Ein Urteil fiel am Mittwoch nicht. Das Verfahren wurde vertagt, um weitere Zeugen befragen zu können; zudem steht die Bestellung eines Sachverständigen für Buchführungsfragen im Raum. Während der 75-Jährige einzelne Verfehlungen eingeräumt hat, bestreitet er weiterhin die Unrechtmäßigkeit der Bonuszahlungen an seinen Sohn. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Source: Google News AT — Crime (de)