Pflegekind jahrelang misshandelt: Kärntner Paar vor Gericht in Klagenfurt

Ein heute 29-Jähriger soll als Kind von seinen Pflegeeltern geschlagen und eingesperrt worden sein. Den beiden 62-jährigen Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Pflegekind jahrelang misshandelt: Kärntner Paar vor Gericht in Klagenfurt

Pflegesohn schildert Martyrium – Verhandlung in Klagenfurt vertagt

Schläge mit Jausenbrettern, tagelange Einsperrung in der Garage, kaum Essen: Am Landesgericht Klagenfurt müssen sich zwei 62-jährige ehemalige Pflegeeltern wegen fortgesetzter Gewaltausübung gegen ihren Pflegesohn verantworten. Wie die Kleine Zeitung berichtet, drohen den Angeklagten bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Der Betroffene ist heute 29 Jahre alt und kam bereits als Baby in die Pflegefamilie.

Zeugin schildert jahrelanges Leid

Die Mutter der Ex-Freundin des Opfers sagte am Dienstag als Zeugin aus. Bekannt geworden sei das Leidensgeschichte des Mannes erst im Zuge seiner Krebserkrankung, als er sich ihr gegenüber anvertraute. Im Krankenhaus sei er in Panik geraten, als Ärzte an seinen Hals mussten: „Er hat geschrien: Sie soll weggehen, sie soll weggehen." Er habe in dem Moment die Pflegemutter gesehen, wie sie ihn würgt, berichtete die Zeugin.

Anschließend habe er ihr von seiner Kindheit erzählt. Die Pflegemutter soll ihn gewürgt haben, bis ihm schwindelig wurde, und ihn im Würgegriff durchs Haus geschleift haben. Er sei in eine Kammer unter der Treppe sowie tagelang in die Garage gesperrt worden, wo er von dort lagernden Äpfeln und Most gelebt habe. Danach sei er mit dem Gartenschlauch abgespritzt worden. Wenn die Pflegemutter zu erschöpft gewesen sei zum Schlagen, habe der Pflegevater weitergemacht – und den Buben einmal durch eine Glasscheibe geschleudert. Narben an den Armen seien bis heute sichtbar. „Er hat so viel mitgemacht", sagte die Zeugin unter Tränen.

Bereits im Gitterbett sei der Mann eingesperrt gewesen; seine früheste Erinnerung sei ein Brett, das auf das Gitterbett gelegt worden war. Die Pflegeeltern sollen dem jungen Mann später auch den Großteil seiner Lehrlingsentschädigung abgenommen haben. Laut seinem Vertreter gelang es ihm erst mit 25 Jahren, sich vollständig von den Pflegeeltern zu lösen.

Auch von einem sexuellen Missbrauch durch einen Bekannten der Pflegeeltern habe der Mann der Zeugin erzählt.

Zweite Pflegekind-Zeugin: Jugendamt handelte nicht

Eine 26-Jährige, die mit 13 Jahren ebenfalls für einige Monate als Pflegekind bei den Angeklagten gelebt hatte, schilderte, dass der Pflegesohn ständig wegen Kleinigkeiten angeschrien worden sei und die meiste Zeit in seinem Zimmer verbracht habe. Auch sie habe zu wenig zu essen bekommen; einmal sei sie selbst geschlagen worden, einmal habe sie gesehen, wie der Pflegesohn „eine bekommen" habe. Dem Jugendamt sei alles gemeldet worden, doch dort sei alles „unter den Tisch" gefallen. Als sie später den Akt gelesen habe, habe nichts zusammengestimmt.

Tatsächlich findet sich eine Gefährdungsmeldung der damals 13-Jährigen und ihrer Schwester im Akt zur Pflegefamilie. Die Mädchen hatten demnach gemeldet, dass die Familie „komisch" sei und es „nur Butterbrot" zur Jause gebe. Nachgegangen wurde dem offenbar nicht.

Sozialarbeiterin: Keine Hinweise wahrgenommen

Die zuständige Sozialarbeiterin gab als Zeugin an, es habe keine Hinweise auf Probleme in der Pflegefamilie gegeben. Der Pflegesohn sei zwar „kein glückliches, unbeschwertes Kind" gewesen – das habe sie aber auf eine „frühkindliche Schädigung" durch die Suchterkrankung der leiblichen Mutter sowie auf Lern- und Sozialschwierigkeiten zurückgeführt. Angekündigte Hausbesuche habe es einmal jährlich gegeben, dabei habe sie auch kurz mit dem Kind gesprochen. Unangekündigte Kontrollen seien nur bei vorliegenden Gefährdungsmeldungen vorgesehen. Die Pflegeeltern habe sie als engagiert wahrgenommen; sie hätten stets alle Fortbildungen besucht.

Die beiden Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Nächster Verhandlungstermin im Jänner

Nach den Zeugenaussagen vertagte Richterin Lisa Rendl den Prozess. Weitere Zeugenbefragungen sind für den nächsten Verhandlungstermin im Jänner geplant.

Source: Kleine Zeitung

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