Umsatzsteuerbetrug mit Luxusautos: zehn Millionen Euro Schaden in Österreich

Bei einer europaweiten Razzia wurden in Österreich fünf Personen festgenommen und zwölf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Der Gesamtschaden übersteigt 100 Millionen Euro.

Umsatzsteuerbetrug mit Luxusautos: zehn Millionen Euro Schaden in Österreich

Fünf Festnahmen bei Großrazzia gegen Luxusauto-Karussellbetrug

Europäische Ermittlungsbehörden haben am Mittwoch in einer koordinierten Großaktion ein mutmaßliches Netzwerk für Umsatzsteuerbetrug im internationalen Luxusfahrzeughandel zerschlagen. Wie die Kleine Zeitung berichtet, beläuft sich der geschätzte Gesamtschaden auf mehr als 100 Millionen Euro – davon entfallen über zehn Millionen Euro auf Österreich.

In Österreich wurden zwölf Hausdurchsuchungen durchgeführt, schwerpunktmäßig in Tirol und Vorarlberg. Fünf Personen wurden festgenommen: drei unmittelbar in Österreich, zwei weitere österreichische Staatsangehörige durch deutsche Einsatzkräfte in Deutschland. Die Festnahmen erfolgten auf Antrag der Staatsanwaltschaft.

Insgesamt waren von österreichischer Seite 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Finanzverwaltung im Einsatz, unterstützt von Polizeikräften sowie nationalen und internationalen Partnerbehörden. Die Steuerfahndung des Amtes für Betrugsbekämpfung (ABB) war maßgeblich an den heimischen Ermittlungen beteiligt.

Die Operation trägt den Namen J.A.V.E.L.I.N. – Joint Analysis of VAT Evasion in Luxury International-vehicle-trading Networks – und wurde im Auftrag der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) durchgeführt. Europaweit wurden mehr als 100 Einsatzorte bearbeitet. Die Ermittlungen erstreckten sich über zahlreiche EU-Staaten und umfassten mehrere miteinander verbundene Ermittlungsstränge.

Im Zentrum des Verdachts steht sogenannter Karussellbetrug: Kriminelle nutzen Lücken im Steuersystem des EU-Binnenmarkts, indem sie – zumeist hochpreisige – Waren zwischen Händlern aus verschiedenen EU-Ländern im Kreis verschieben. Die beteiligten Unternehmen lassen sich Umsatzsteuer erstatten, die sie in vielen Fällen gar nicht entrichtet haben.

Im österreichischen Ermittlungsstrang standen Fahrzeuglieferungen mit einem Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro im Fokus. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand sollen Fahrzeuge über ein Netzwerk von Unternehmen und zwischengeschalteten Gesellschaften gehandelt worden sein, um tatsächliche Lieferwege zu verschleiern. Dabei kamen laut Finanzministerium sogenannte Missing-Trader-Gesellschaften, Briefkastenunternehmen sowie fingierte Transport- und Liefernachweise zum Einsatz.

Sichergestellt wurden neben Geschäftsunterlagen und elektronischen Datenträgern auch hochwertige Vermögensgegenstände und Liegenschaften. Die Auswertung der Beweismittel dauert noch an und erfolgt in enger Abstimmung mit der EPPO.

Für die Finanzbehörden in den EU-Ländern ist Karussellbetrug nach Angaben des Finanzministeriums nach wie vor schwer nachzuvollziehen. Die EU geht davon aus, dass die Steuerausfälle durch diese Betrugsform unionsweit mindestens 50 Milliarden Euro pro Jahr betragen.

Source: Kleine Zeitung

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