Eiffelturm gesperrt: 575.000 Demonstranten in Frankreich, 448 Festnahmen
Bei landesweiten Protesten in Frankreich blieb der Eiffelturm den ganzen Tag geschlossen. 448 Menschen wurden festgenommen, 53 Sicherheitskräfte verletzt.

Streik und Proteste lähmen Frankreich – Eiffelturm bleibt geschlossen
Laut t-online.de sind am Donnerstag in Frankreich nach Angaben des Innenministeriums 575.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für höhere Löhne und bessere Bedingungen an Schulen und Hochschulen zu demonstrieren. Die Gewerkschaft CGT bezifferte die Teilnehmerzahl auf 1,6 Millionen. In Paris blieb der Eiffelturm wegen der Proteste den gesamten Tag für Besucher geschlossen. Bei Ausschreitungen am Rande der Kundgebungen wurden landesweit 448 Menschen festgenommen, 53 Sicherheitskräfte wurden verletzt.
Premierminister Sébastien Lecornu kündigte für Montag eine „Sozialkonferenz" an. Im öffentlichen Dienst legten etwa zehn Prozent der Beschäftigten die Arbeit nieder, zahlreiche Regionalzüge fielen aus. Mehrere Gewerkschaften hatten bereits Anfang Oktober zu dem Protesttag aufgerufen. Schüler- und Studierendenverbände sowie die Gelbwestenbewegung schlossen sich an.
Präsidentschaftskandidaten auf den Straßen
In Paris nahmen mehrere Präsidentschaftskandidaten an der Demonstration teil, darunter der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon und die Grüne Marine Tondelier. Der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann wurde ausgebuht und verließ die Kundgebung vorzeitig.
Blockaden und Tränengas vor Schulen
Am Morgen hatten Schülerinnen und Schüler erneut Blockaden aus Mülltonnen und Absperrgittern vor zahlreichen Schulen errichtet. Die Polizei setzte in vielen Fällen Tränengas ein. In Toulouse drangen Unbekannte mit Gesichtsmasken in eine Schule ein und legten dort einen Brand, der schnell gelöscht werden konnte. Nach Gewerkschaftsangaben waren landesweit knapp tausend der insgesamt 3.700 Oberschulen von Blockaden betroffen. Die Regierung meldete 81 blockierte Schulen und eine Streikbeteiligung von 16 Prozent bei den Lehrkräften. Auch jede dritte Hochschule war von Protestaktionen betroffen.
Frankreichs Oberschüler protestieren seit Mitte September gegen Lehrermangel, zu lange Schultage, Schulgebäude in schlechtem Zustand und die undurchsichtige Vergabe von Studienplätzen. Die Regierung versprach ein neues Bewerbungsverfahren und mehr Lehrerstellen – die Schülerverbände bezeichneten das als unzureichend.
Die 15-jährige Schülerin Luce aus Straßburg sagte: „Wir protestieren weiter, weil man uns immer noch nicht zuhört." Mit Blick auf die im internationalen Vergleich langen Schultage fügte sie hinzu: „In anderen Ländern sind die Schultage viel kürzer, und das funktioniert auch." Die 17-jährige Luna beklagte, dass in ihrer Schule die Heizung nicht funktioniere.
Gewerkschaften gegen Sparpläne der Regierung
Die Gewerkschaften richten sich hauptsächlich gegen die Sparpläne der Regierung und fordern höhere Löhne. CFDT-Gewerkschaftschefin Marylise Léon sagte dem Sender BFM: „Wir wollen von unserer Arbeit vernünftig leben können."
Ausschreitungen in Lyon, Rennes und Paris
In mehreren Städten kam es zu Zusammenstößen. In Lyon wurde mindestens ein Fahrzeug in Brand gesetzt, die Polizei setzte Tränengas ein. Ein AFP-Fotograf mit erkennbarer Pressekennzeichnung erhielt bei einem Polizeieinsatz fünf Schlagstockschläge. Auch in Rennes gab es Zusammenstöße. Das Innenministerium registrierte landesweit 86 Einsätze wegen Bränden.
An vielen Orten herrschte dennoch eine ausgelassene Stimmung. In Lyon zeigten sich Teilnehmer als Superheld auf einem Pony oder als tanzendes Schwein verkleidet. Auf der Pariser Place de la République spielten Dutzende Musiker des Orchestre du Nouveau Monde Revolutionslieder und brachten die Menge zum Mitsingen.
Innenminister verteidigt Polizeistrategie
Innenminister Laurent Nuñez hatte kürzlich eingeräumt, dass die Sicherheitskräfte am 17. Oktober, dem Tag der bislang folgenreichsten Ausschreitungen, überfordert gewesen seien. Es habe eine „bislang nicht dagewesene Mischung" verschiedener Gruppen gegeben, darunter Gewerkschaften, Gelbwesten, linksradikale Randalierer, Kriminelle und junge Plünderer.
Eine Änderung der Strategie oder eine reduzierte Bewaffnung der Sicherheitskräfte lehnte der Minister dennoch ab: „Die Sicherheitskräfte müssen sich verteidigen können, wenn sie angegriffen werden." Allein am 17. Oktober seien 22.000 Tränengasgranaten eingesetzt worden, bei deren Einsatz zahlreiche Menschen schwer verletzt worden waren. Die Polizeiinspektion ermittelt derzeit in 83 Fällen wegen mutmaßlich illegaler Polizeigewalt.
Weitere Aktionen angekündigt
Die Protestbewegung will ihre Aktionen fortsetzen. Die Studentenorganisation Unef rief für den 7. November zu neuen Kundgebungen auf. Auch die Gelbwesten kündigten weitere Aktionen an. Die seit Wochen andauernden Proteste prägen den Präsidentschaftswahlkampf, in dem Amtsinhaber Emmanuel Macron laut Umfragen auf nur noch 13 Prozent Zustimmung kommt und nicht erneut antreten darf.
Source: Google News LU DE