Cornell-Universität: Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt in Vergewaltigungsfall
Die Staatsanwaltschaft in New York hat Ermittlungen gegen sieben Studenten der Cornell-Universität aufgenommen, die eine Kommilitonin im Herbst 2024 vergewaltigt haben sollen. Die Universität steht wegen ihrer früheren Reaktion unter Druck.

Cornell-Universität: Staatsanwaltschaft ermittelt in Vergewaltigungsfall
Gut anderthalb Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Cornell-Universität hat die Staatsanwaltschaft in Tompkins County (New York) Ermittlungen gegen sieben Studenten eingeleitet. Wie Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, war die damals zwanzigjährige Studentin im Herbst 2024 Opfer der Übergriffe geworden, die Ermittlungen begannen aber erst jetzt. Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten begründete die verzögerte Untersuchung damit, dass die Studentin drei Wochen nach den Übergriffen angegeben habe, freiwillig Alkohol und Drogen konsumiert zu haben. In ihrer ursprünglichen Aussage habe sie nicht behauptet, zu Sex gezwungen worden zu sein oder bewusstlos gewesen zu sein, sagte Van Houten.
Der Anwalt der Studentin, Thomas Giuffra, widerspreche dieser Darstellung. Seine Mandantin habe damals „Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch" angezeigt, teilte er mit. Das Protokoll der Universitätspolizei bestätige dies: Die Studentin habe im November 2024 ausgesagt, mit „hundertprozentiger Sicherheit" vergewaltigt worden zu sein. Während der stundenlangen Übergriffe hätten die Studenten das mutmaßliche Opfer per Snapchat mit dem Aufruf „Free pussy" anderen angeboten.
Der Fall wurde öffentlich, nachdem die inzwischen zweiundzwanzigjährige Frau zwei Wochen zuvor eine Zivilklage gegen sieben Mitglieder der Studentenverbindung Chi Phi einreichte. Sie wirft den Studenten vor, sie durch Ketamin und Alkohol wehrlos gemacht zu haben. Die Klage richtet sich auch gegen die Universität, die Studentenverbindung und eine Bar nahe dem Campus, die der damals unter einundzwanzig Jahren alten Studentin Alkohol serviert haben soll.
Die Universität teilte mit, dass mehrere Mitglieder der Studentenverbindung die Hochschule verlassen mussten oder vorübergehend beurlaubt wurden. Die Gruppe Xi der Chi-Phi-Verbindung sei auf dem Campus verboten worden. Allerdings wirft die Studentin der Universität vor, das Verbrechen mit Rücksicht auf Cornells Ruf heruntergespielt zu haben. In sozialen Medien kursierten Gerüchte, die mutmaßlichen Täter seien nur dazu aufgefordert worden, einen Essay zu schreiben.
Der Bürgermeister von Ithaca, Robert Cantelmo, kritisierte die Reaktion der Universität scharf. Trotz der Schwere des Verbrechens habe die Universität versäumt, sich mit dem Ithaca Police Department abzustimmen. Noch gravierender sei, dass die Universität die mutmaßlichen Täter nicht zur Rechenschaft gezogen habe. Cantelmo forderte daraufhin ein vorübergehendes Feierverbot für die etwa 27.000 Studierenden der Cornell-Universität.
Gouverneurin Kathy Hochul von New York kündigte am Dienstag eine externe Untersuchung der Universität an. Sie unterstütze die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft, sagte Hochul. Gleichzeitig hätten sich aber „ernsthafte Fragen zum Umgang der Universität mit Übergriffen" ergeben.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung