Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee in letzter Minute gestoppt

Ein Berufungsgericht stoppte die geplante Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee kurz vor der Vollstreckung. Pike wäre die erste Frau seit 1819 gewesen, die im Bundesstaat hingerichtet wird.

Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee in letzter Minute gestoppt

Berufungsgericht stoppt Hinrichtung von Todestraktinsassin in Tennessee

Ein Bundesberufungsgericht hat die für den 30. September geplante Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee in letzter Minute ausgesetzt. Wie die Kleine Zeitung berichtet, wäre die 50-Jährige die erste Frau seit über 200 Jahren gewesen, die in Tennessee hingerichtet wird – laut dem Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste seit 1819.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass Pike Zweifel an der Rechtmäßigkeit des früheren Verfahrens dargelegt habe, die einer Prüfung bedürften. Zentraler Punkt ist die gerichtliche Würdigung von Kindheitstraumata, die Pike nach eigenen Angaben erlitten hat. Die Verurteilte machte geltend, Tennessee habe ihre Aussagen zu erlittenem Missbrauch zunächst als erfunden abgetan – ihn später jedoch anerkannt. Diese Kehrtwende stelle das Fundament des Verfahrens und damit auch das Strafmaß infrage.

Ein zuvor eingereichtes Gnadengesuch an den Gouverneur war erfolglos geblieben, ebenso ein Antrag beim obersten Gericht des Bundesstaates.

Hintergrund: Mord an 19-Jähriger im Jahr 1995

Pike wurde 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Sie war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Im Jahr 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Laut dem Death Penalty Information Center (DPIC) ist Pike die Einzige der drei Tatbeteiligten, die ein Todesurteil erhielt. Ihr damaliger Freund, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt; eine weitere 18-Jährige erhielt eine Bewährungsstrafe.

Pike ist nach Angaben der offiziellen Regierungswebseite Tennessees die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates einsitzt.

Internationale Proteste vor der Vollstreckung

Mehrere Organisationen hatten in den Wochen vor dem geplanten Vollzug Druck ausgeübt. Amnesty International betonte, Pike habe während ihrer Kindheit Vergewaltigung sowie sexuelle, körperliche und psychische Gewalt erlitten. Auch Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp der Hinrichtung.

In einer Audioaufnahme, die ihre Anwälte der New York Times zur Verfügung stellten, äußerte sich Pike zu ihrem Schicksal: „Ich gehe diese Hinrichtung jeden Tag in meinem Herzen durch." Und weiter: „Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten."

Die Mutter der ermordeten 19-Jährigen zeigte sich hingegen empört über die öffentliche Aufmerksamkeit für Pike. „Niemand könnte mich jemals, jemals davon überzeugen, dass sie sich geändert hat", zitierte die New York Times die Frau. Selbst in Isolationshaft habe Pike Zugang zu Trost und Unterstützung gehabt, der ihrer Tochter verwehrt geblieben sei.

Todesstrafe in den USA: seltene Vollstreckungen an Frauen

Die Todesstrafe ist in 27 der 50 US-Bundesstaaten gesetzlich vorgesehen; 23 Staaten haben sie abgeschafft. In vier der 27 Staaten gilt derzeit ein Vollstreckungsstopp. Laut DPIC wurden im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Personen hingerichtet.

Hinrichtungen von Frauen sind in den USA äußerst selten: Seit 1976 wurden 18 Frauen hingerichtet – rund ein Prozent aller 1.683 Vollstreckungen in diesem Zeitraum. Die am häufigsten angewandte Methode ist die Giftspritze mit 1.492 Fällen, gefolgt vom elektrischen Stuhl mit 163 und Gaskammer mit 19. Sechs Personen wurden durch ein Erschießungskommando getötet, drei durch Erhängen.

Source: Kleine Zeitung