Kabarettist Gunkl wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt

Günther Paal, bekannt als Kabarettist Gunkl, wurde am Wiener Straflandesgericht wegen sexuellen Missbrauchs eines Kleinkindes verurteilt. Zwei Frauen standen wegen Erpressung vor Gericht.

Kabarettist Gunkl wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt

Prozess am Wiener Straflandesgericht: Gunkl gesteht Übergriff und Besitz von Kinderpornografie

Günther Paal, der als Kabarettist Gunkl auftritt, ist am Wiener Straflandesgericht wegen sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Gleichzeitig standen zwei Frauen auf der Anklagebank, die ihn über Monate hinweg erpresst hatten. Wie falter.at berichtet, war der Fall bereits vor dem Prozessauftakt in wesentlichen Zügen öffentlich bekannt – was Opferschützer scharf kritisiert hatten.

Kurz vor 10 Uhr betrat Paal in einer Cargo-Hose den Großen Schwurgerichtssaal. Neben ihm Platz nahmen Julia K. (42) und deren Mutter Susanna L. (63), beide slowakische Staatsbürgerinnen. Der Richter bat das Publikum eingangs um Ruhe – aus „Respekt gegenüber dem Mädchen, um das es heute geht". Das Kind ist die Tochter von Julia K. und Enkelin von Susanna L.

Erpressung mit erfundenen Fotos – 159.000 Euro geflossen

Julia K. bekannte sich schuldig. Von Anfang 2025 bis Mitte 2026 habe sie Paal mit angeblich kompromittierenden Fotos erpresst, die ihn mit dem damals dreijährigen Mädchen in einer Badewanne zeigen sollten. „Das habe ich erfunden", sagte sie vor dem Richter. Die Fotos haben demnach nie existiert. Insgesamt flossen durch die Erpressung 159.000 Euro. Am 5. Juni übergab Paal Julia K. am Wiener Hauptbahnhof 30.000 Euro; die Polizei nahm sie kurz danach fest.

Susanna L. hingegen bekannte sich nicht schuldig und bestritt, von der Erpressung gewusst zu haben. Protokolle der Telefonüberwachung belegten laut Gericht jedoch, dass sie zumindest eingebunden war.

Paal schildert Beziehung zu den Frauen als käuflichen Sex

Kennengelernt habe Paal die beiden Frauen 2014 über eine „einschlägige Zeitungsannonce", sagte er im Zeugenstand. Die Darstellungen der Beteiligten über die Art ihres Verhältnisses wichen deutlich voneinander ab: Die Frauen sprachen von Freundschaft und gelegentlichem bezahltem Sex am Rande gemeinsamer Treffen; Paal bezeichnete es klar als sexuelle Dienstleistungen gegen Geld. Vor etwa zwei Jahren kam es im Beisein von Mutter und Großmutter zum Übergriff auf das Kind. Die genaue Beschreibung der Tat hielt das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit; die Opfervertreterin wandte sich ausdrücklich an die anwesenden Medien: „Um ein Unrecht zu beschreiben, ist es nicht nötig, die breite Öffentlichkeit mit Details zu versorgen, die die Intimsphäre eines kleinen Mädchens betreffen."

960 Bilddateien und 19 Videos bei Hausdurchsuchung sichergestellt

Paal hatte sich am 29. Mai 2026 selbst angezeigt. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung stellten Ermittler auf drei Computern 960 Bild- und 19 Videodateien sicher, die laut Richter zum Teil „harte Kinderpornografie" zeigen. Das Material stamme aus dem Internet und einschlägigen Foren, sagte Paal – in demselben sachlichen Ton, den Beobachter von seinen Bühnenprogrammen kennen. Bezahlt habe er dafür nicht.

Neu im Prozess war das Geständnis, das Material auch über ICQ weitergegeben zu haben. „ICQ ist ein alter Chatclient, er wurde in der Pädo-Szene häufig verwendet, um Dateien auszutauschen", erklärte ein IT-Sachverständiger. Zudem räumte Paal ein, vor seiner Selbstanzeige eine Festplatte mit Missbrauchsdarstellungen zerstört zu haben. Dass er auf den übrigen Geräten noch Material gehabt habe, sei ihm nicht bewusst gewesen. „Hätte ich es gewusst …", sagte er und ließ den Satz unvollendet.

„Allem Anschein nach bin ich es"

Auf die Frage seines Verteidigers, ob er sich als pädophil bezeichnen würde – eine Einschätzung, die Paal bislang abgestritten hatte –, antwortete er: „Allem Anschein nach bin ich es." Eine psychiatrische Begutachtung fand nicht statt; Paal hat sich nach eigenen Angaben inzwischen in psychotherapeutische Behandlung begeben.

Hintergrund: Selbstanzeige und öffentliche Debatte

Der Fall war im Sommer öffentlich geworden, nachdem Paal sich selbst bei der Polizei gestellt hatte. Nach und nach gelangten immer intimere Details an die Öffentlichkeit – eine Entwicklung, die Opferschutzorganisationen scharf kritisierten. Die Mutter des betroffenen Mädchens hatte Paal mit den – wie sich nun herausstellte erfundenen – Fotos unter Druck gesetzt, nachdem der tatsächliche Übergriff stattgefunden hatte.

Das Urteil über alle drei Angeklagten erging am Wiener Straflandesgericht; Paal wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.

Source: Google News AT — Crime (de)

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